Interview mit Martin Maleschka

„ICH WILL MIT MEINEN FOTO- GRAFIEN DAS FESTHALTEN, WAS GERADE VERSCHWINDET.“

Plattenbau ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Einer, der diese speziellen Bauten aus DDR-Zeiten besonders schätzt, ist der Cottbuser Fotograf und Künstler Martin Maleschka. Geboren am 1. Mai 1982 in Eisenhüttenstadt und auf- gewachsen in der „Platte“, studierte Maleschka erst Städtebau, dann Ar- chitektur in Cottbus. Er war immer umgeben von „Platten“. Die Leiden- schaft für diesen Wohnraum steckt Martin Maleschka im Blut.

Im Portfolio der WBG befinden sich noch ca. 1.300 ursprüngliche Wohnungen dieser Art von fast historischer „Baukunst“, weshalb die WBG und Maleschka eine Zusammenarbeit der besonderen Art beschlossen haben. In der Brösestraße 16 wird es eine Installation samt Ausstellung mit Fotografien von kul- turellen Hinterlassenschaften geben, die Wohnmaschine, für all jene, die die Ästhetik und das Heimatgefühl der „Platte“ auch so sehr schätzen. Aus diesem Anlass haben wir uns zu einem Interview mit dem Künstler getroffen.

Cafézeit: Woher kommt die Liebe zum Plattenbau, Martin?

Maleschka: Ich bin in einem Plattenbau in Eisenhüttenstadt aufgewachsen und groß geworden. Es ist einfach ein Stück Heimat für mich. Auch während meines Architekturstudiums (2003 – 2013) in Cottbus begleitete mich die Platte als Wohnraumspender. Als ich 2004 einmal „nach Hause“ kam, wurde dort damit begonnen, meinen einstigen Wohnkomplex abzureißen, in dem ich gelebt habe. Kindheits- und Jugenderinnerungen wurden dort zu Rasenflächen oder zu Grundstücken für Einfamilienhäuser umgemünzt. In meinem Studium beschäftigte ich mich vorrangig mit dem Entwerfen oder dem Bauen von Häusern und zeitgleich wurde ein Teil von meiner Heimat abgerissen. Das empfand ich als gegensätzlich und habe deshalb angefangen, alles bestmöglich zu dokumentieren. Das finde ich im Übrigen bis heute äußerst spannend.

Cafézeit: Was gefällt dir beson- ders an den alten DDR-Bauten?

Maleschka: Eigentlich alles. Das fängt mit der Kubatur der Gebäude, dem Plattenraster, der Klarheit, den Sonderbauten an und endet im Detail bei den Fugen, der Oberflächenstruktur, der Kunst und nicht zuletzt auch der Verschiedenartigkeit der Bewohnerschaft. Fahrradständer aus der Zeit haben es mir bspw. aber auch ganz besonders angetan. Aus Mangel haben die Bewohner diese vielfach selbst hergestellt und sie sehen dadurch völlig unterschiedlich aus. Großartig! Dazu gibt es bei Instagram den Hashtag #IchLiebeDieseDrahtigenDinger. Und bei der „Kunst am Bau“ mag ich die eher abstrakten, grafischen Sachen, aber auch Wandbilder mit Darstellungen von Familie oder Tieren. Finde ich richtig gut und passend.

Cafézeit: Was wird man von dir in Brandenburg an der Havel sehen?

Maleschka: Ich werde eine er- innerungskulturelle, künstlerische Installation in einer Plattenbauwohnung in der Brösestraße herrichten. Die WBG und ich wollen damit erreichen, dass viele Erinnerungen an die Zeit von damals geweckt werden. Worauf ich mich besonders freue, ist, dass wir uns viele Gegenstände und Exponate aus dem Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR leihen dürfen und einen Bruchteil dieser wundervollen Sammlung in Brandenburg an der Havel zeigen können. Zusätzlich werden andere Wohnungen im Aufgang als Ausstellungsfläche für Fotografien dienen. Martin Maleschka wohnt mit seiner Freundin in Cottbus. Er ist freiberuflicher Redakteur, Autor, Künstler und Fotograf für Kunst und Bau der DDR. Maleschka ist 1982 geboren und hat unter anderem im Rahmen des 100-Jahre Bauhaus-Jubiläums 2019 die künstlerische Installation „WOHNMASCHINE“ in Eisenhüttenstadt geschaffen. Er ist darüber hinaus über die sozialen Netzwerke auch international in seinem Tätigkeitsfeld bekannt geworden.

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